1. Was ist ein Betriebssystem?

Ein Betriebssystem, englisch Operating System (OS), ist die grundlegende Software eines Computers. Es bildet die Verbindung zwischen der Hardware und den Anwendungsprogrammen.

Ohne Betriebssystem können Programme nicht sinnvoll auf Prozessor, Arbeitsspeicher, Festplatten oder andere Hardware zugreifen.

Hauptaufgaben eines Betriebssystems

  • Hardware verwalten
    • CPU
    • RAM
    • Festplatten
  • Programme ausfĂŒhren
  • BenutzeroberflĂ€che bereitstellen
  • Dateien verwalten
  • Netzwerkzugriffe ermöglichen
  • Benutzer und Berechtigungen verwalten

Beispiele

Computer:
  • Windows
  • Linux
  • macOS
MobilgerÀte:
  • Android
  • iOS
Das Betriebssystem vermittelt zwischen Hardware, Programmen und dem Benutzer.

2. Dateiverwaltung - Filemanagement

Ein Betriebssystem organisiert Daten in einer Struktur aus:

  • Verzeichnissen bzw. Ordnern
  • Unterordnern
  • Dateien

Typische Aufgaben des Filemanagements sind:

  • Dateien erstellen
  • Dateien löschen
  • Dateien verschieben
  • Dateien kopieren
  • Dateien umbenennen

Freigaben verwalten

Über eine Freigabe können mehrere Benutzer ĂŒber das Netzwerk auf Dateien oder Ordner zugreifen.

Beispiel:

Freigaben verwalten

Server: Server01
Freigabe: Projekte

Der Zugriff kann dann beispielsweise ĂŒber einen UNC-Pfad erfolgen:

UNC-Pfad

\\Server01\Projekte

Typische Berechtigungen sind:

  • Lesen
  • Ändern
  • Vollzugriff
Eine Freigabe macht einen Ordner ĂŒber das Netzwerk erreichbar. Welche Aktionen ein Benutzer durchfĂŒhren darf, wird ĂŒber Berechtigungen gesteuert.
Freigabe- und NTFS-Berechtigungen sind nicht dasselbe. Beim Netzwerkzugriff wirken beide zusammen.

3. Multitasking

Unter Multitasking versteht man, dass mehrere Programme scheinbar gleichzeitig ausgefĂŒhrt werden.

Dabei unterscheidet man vor allem zwischen kooperativem und prÀemptivem Multitasking.


Kooperatives Multitasking

Beim kooperativen Multitasking entscheidet die Anwendung selbst, wann sie Rechenzeit wieder freigibt.

Beispiel:
Programm A → gibt CPU frei → Programm B

Problem:

  • hĂ€ngt ein Programm
  • gibt es möglicherweise keine Rechenzeit zurĂŒck
  • dadurch kann das gesamte System beeintrĂ€chtigt werden

PrÀemptives Multitasking

Beim prÀemptiven Multitasking entscheidet das Betriebssystem, wie lange ein Programm Rechenzeit bekommt.

Beispiel:
Programm A → CPU-Zeit → Programm B → CPU-Zeit → ...

Vorteile:

  • stabiler
  • Betriebssystem kontrolliert die Verteilung
  • moderner Standard

Windows, Linux und macOS verwenden prÀemptives Multitasking.

Kooperativ: Programm gibt CPU freiwillig ab.

PrÀemptiv: Betriebssystem verteilt die CPU-Zeit.

4. Prozess, Task und Thread

Diese Begriffe beschreiben unterschiedliche Teile der ProgrammausfĂŒhrung.


Prozess

Ein Prozess ist ein gestartetes und laufendes Programm.

Beispiel:
chrome.exe

Wird Chrome gestartet, existiert mindestens ein entsprechender Prozess.


Thread

Ein Thread ist ein einzelner AusfĂŒhrungsstrang innerhalb eines Prozesses.

Ein Programm kann mehrere Threads besitzen, beispielsweise fĂŒr:

  • verschiedene Tabs
  • Downloads
  • Darstellung bzw. Rendering

Task

Ein Task ist allgemein eine Aufgabe, die vom Betriebssystem ausgefĂŒhrt oder verwaltet wird. Im Windows-Umfeld wird der Begriff hĂ€ufig vereinfacht fĂŒr laufende Programme bzw. Prozesse verwendet.

Beispiel:
explorer.exe

Prozess = laufendes Programm
Thread = AusfĂŒhrungsstrang innerhalb eines Prozesses

5. Unix und Linux


Unix

Unix wurde ab 1969 entwickelt und bildet die Grundlage bzw. den Ursprung vieler spÀterer Unix-Systeme.

Beispiele fĂŒr Unix-Systeme:

  • AIX
  • HP-UX
  • Solaris

Linux

Der Linux-Kernel wurde 1991 von Linus Torvalds entwickelt. Linux ist Unix-Ă€hnlich und Open Source.

Linux ist kein Unix, orientiert sich aber stark an Unix.

Eigenschaften:

  • Unix-Ă€hnlich
  • Open Source
  • stark an Unix orientiert

6. Linux und Windows im Vergleich


Windows

Vorteile:

  • einfache Bedienung
  • große Softwareauswahl
  • weit verbreitet
  • gute Integration in Active Directory

Nachteile

  • Lizenzkosten
  • aufgrund der hohen Verbreitung hĂ€ufiges Ziel von Schadsoftware

Linux

Vorteile

  • viele Distributionen kostenlos verfĂŒgbar
  • stabil
  • gilt als gut absicherbar und wird hĂ€ufig auf Servern eingesetzt
  • Open Source

Nachteile

  • höhere Einarbeitungszeit
  • manche Programme sind nicht verfĂŒgbar

7. Dateisysteme

Ein Dateisystem bestimmt, wie Daten auf einem DatentrÀger gespeichert, organisiert und verwaltet werden.


FAT32

Vorteil

  • sehr hohe KompatibilitĂ€t

Nachteil:

  • maximale DateigrĂ¶ĂŸe: 4 GB

NTFS

NTFS ist das typische Windows-Dateisystem.

Eigenschaften:

  • Rechteverwaltung
  • VerschlĂŒsselung
  • Journaling

ext4

Typisches Linux-Dateisystem.

Eigenschaften:

  • schnell
  • stabil
  • unterstĂŒtzt große Partitionen

APFS

Apple File System

Verwendung unter anderem bei:

  • macOS
  • iOS

NTFS → Windows
ext4 → Linux
APFS → Apple
FAT32 → sehr kompatibel

8. Dateibaum

Windows und Linux organisieren ihre Verzeichnisse unterschiedlich.


Windows

Windows arbeitet typischerweise mit Laufwerksbuchstaben.

Beispiel

Laufwerk

C:\

Darunter befinden sich beispielsweise:

Laufwerk

C:\Windows
C:\Program Files
C:\Users

Windows kann Ordnernamen im Explorer ĂŒbersetzt anzeigen. Der tatsĂ€chliche Pfad kann trotzdem einen englischen Namen besitzen.

Linux

Unter Linux beginnt der gesamte Dateibaum bei:

Laufwerk

/

Beispiele:

Laufwerk

/etc
/home
/var
/boot

9. GUI und CLI


GUI - Graphical User Interface

Eine GUI ist eine grafische BenutzeroberflÀche.

Beispiele:

  • Desktop
  • Explorer
  • Fenster
  • SchaltflĂ€chen

CLI - Command Line Interface

Bei einer CLI wird das System hauptsĂ€chlich ĂŒber Befehle gesteuert.

Beispiele:

  • ls → Ordnerinhalt anzeigen
  • cd → Pfad wechseln
  • mkdir → Ordner erstellen

Die Kommandozeile benötigt meist weniger Ressourcen, wĂ€hrend eine grafische OberflĂ€che fĂŒr viele Benutzer leichter zu bedienen ist.

GUI = grafisch bedienen
CLI = mit Befehlen bedienen

10. Linux-Verzeichnisstruktur

Hier ist eine Übersicht der wichtigsten Linux-Verzeichnisse.

Verzeichnis Aufgabe
/bin wichtige Programme
/boot Bootdateien
/dev GerÀte
/etc Konfigurationsdateien
/home Benutzerverzeichnisse
/lib Bibliotheken
/root Home-Verzeichnis des Root-Benutzers
/sbin Systemprogramme
/var Logs und variable Daten
Besonders wichtig zum Merken sind /etc, /home, /var, /boot und /root.

11. Linux-Berechtigungen

Linux stellt Berechtigungen hÀufig in dieser Form dar:

Linux-Berechtigungsform

-rwxr-xr--

Dabei werden die Rechte in drei Gruppen aufgeteilt:

  • u = User / Benutzer
  • g = Group / Gruppe
  • o = Other / alle anderen

Beispiel:

Rechte

rwx | r-x | r--

Bedeutung:

  • Besitzer → rwx
  • Gruppe → r-x
  • Andere → r--
  • - = normale Datei
  • d = Verzeichnis
---

-rwxr-xr-- → Datei
drwxr-xr-x → Verzeichnis

Das erste Zeichen gehört nicht zu den eigentlichen rwx-Rechten, sondern zeigt den Dateityp an.

Einzelne Rechte

Einzelne Rechte

r = read    = lesen
w = write   = schreiben
x = execute = ausfĂŒhren

Zahlenwerte

Zahlenwerte

r = 4
w = 2
x = 1

Die Zahlen werden addiert:

Zusammenrechnen

rwx = 4 + 2 + 1 = 7
rw- = 4 + 2     = 6
r-x = 4 + 1     = 5




chmod

Mit chmod können Dateiberechtigungen geÀndert werden.

Beispiel:

Bash

chmod 755 script.sh

Bedeutung:

Bedeutung

7 = rwx = Besitzer
5 = r-x = Gruppe
5 = r-x = Andere

Der Besitzer darf damit lesen, schreiben und ausfĂŒhren. Gruppe und andere Benutzer dĂŒrfen lesen und ausfĂŒhren.

Bei 755 gilt:

755

Besitzer → rwx
Gruppe   â†’ r-x
Andere   â†’ r-x

12. Wichtige Linux-Befehle

Die Tabelle nennt mehrere wichtige Befehle

Befehl Funktion Beispiel
ls Dateien und Ordner anzeigen ls
chmod Dateiberechtigungen Àndern chmod 755 script.sh
chown Besitzer einer Datei/eines Ordners Àndern chown name datei.txt
ps laufende Prozesse anzeigen ps -ef
grep nach Text suchen grep root /etc/passwd
mount Laufwerk/DatentrÀger einbinden mount /dev/sdb1 /mnt/usb

13. Kernel und Treiber

Die Kommunikation mit der Hardware wird in deiner Vorlage vereinfacht so dargestellt:

Kommunikation

Programm → Kernel → Treiber → Hardware


Kernel

Der Kernel ist der Kern des Betriebssystems.

Aufgaben:

  • Arbeitsspeicher verwalten
  • CPU verwalten
  • GerĂ€te verwalten
  • Prozesse verwalten

Treiber

Ein Treiber vermittelt zwischen Betriebssystem und Hardware. Dadurch kann das Betriebssystem mit GerÀten kommunizieren.

Kernel = Kern des Betriebssystems
Treiber = Verbindung zwischen Betriebssystem und Hardware

14. Laufwerke mounten

Windows und Linux gehen mit DatentrÀgern unterschiedlich um.


Windows

DatentrÀger bekommen typischerweise Laufwerksbuchstaben:

Laufwerkbuchstaben

C:
D:
E:


Linux

Linux verwendet keine Laufwerksbuchstaben. Ein DatentrÀger wird stattdessen in den Dateibaum eingebunden.

Beispiel:

Dateibaum

/media/usb

Dieser Vorgang wird als Mounten bezeichnet.

Windows → Laufwerksbuchstabe
Linux → Mountpoint im Dateibaum

15. Wichtige Windows-Netzwerkbefehle

Hier eine Übersicht verschiedener Netzwerkbefehle.

Befehl Funktion Beispiel
ipconfig aktuelle IP-Konfiguration anzeigen ipconfig
ipconfig /all detaillierte Netzwerkinformationen anzeigen ipconfig /all
getmac MAC-Adresse(n) anzeigen getmac
route Routingtabelle anzeigen/bearbeiten route print
arp ARP-Tabelle anzeigen arp -a
ping Erreichbarkeit prĂŒfen ping 8.8.8.8
tracert Weg der Pakete zum Ziel anzeigen tracert google.de
nslookup DNS-Informationen abfragen nslookup google.de
netsh Netzwerkdienste und Adapter konfigurieren netsh wlan show profiles
FĂŒr Fehlersuche sind besonders ipconfig, ping, tracert und nslookup wichtig.

16. Einbindung in eine DomÀne

Eine DomÀne ermöglicht die zentrale Verwaltung von Objekten wie:

  • Computern
  • Benutzern
  • Gruppen

Statt viele PCs und lokale Benutzer einzeln zu verwalten, können die Objekte zentral innerhalb einer DomÀne administriert werden.

Beispiel:

Statt:

---

100 PCs → 100 einzelne lokale Benutzerverwaltungen

gibt es eine gemeinsame zentrale Umgebung.

Eine Active-Directory-DomÀne wird von einem oder mehreren DomÀnencontrollern bereitgestellt und verwaltet.

Eine DomÀne hat nicht zwingend einen zentralen DC. Es können mehrere DomÀnencontroller vorhanden sein, die miteinander replizieren.

Fazit

Ein Betriebssystem ĂŒbernimmt viele grundlegende Aufgaben eines Computers. Es verwaltet Hardware, Programme, Dateien, Benutzer und Netzwerkzugriffe. Gleichzeitig gibt es zwischen Windows und Linux Unterschiede bei der Dateistruktur, der Bedienung, den Berechtigungen und der Einbindung von DatentrĂ€gern.

Nach diesem Lernzettel sollte man besonders sicher können:

  • Aufgaben eines Betriebssystems erklĂ€ren
  • kooperatives und prĂ€emptives Multitasking unterscheiden
  • Prozess und Thread erklĂ€ren
  • Windows und Linux vergleichen
  • Dateisysteme zuordnen
  • GUI und CLI unterscheiden
  • wichtige Linux-Verzeichnisse kennen
  • Linux-Rechte und chmod verstehen
  • wichtige Linux- und Windows-Befehle zuordnen
  • Kernel und Treiber erklĂ€ren
  • Windows-Laufwerkbuchstaben und Linux-Mountpoints unterscheiden
  • Grundprinzip einer DomĂ€ne erklĂ€ren
Das Betriebssystem ist die zentrale Schicht, die Hardware, Programme, Daten, Benutzer und Netzwerkfunktionen miteinander verbindet.